Rendite · Lesezeit ca. 7 Minuten

Kaufnebenkosten: Die vollständige Liste nach Bundesland

Die Kaufnebenkosten einer Kapitalanlage-Immobilie liegen je nach Bundesland zwischen rund 5,5 und 8,5 Prozent des Kaufpreises, wenn keine Käufercourtage anfällt. Sie bestehen aus Grunderwerbsteuer (3,5 bis 6,5 Prozent), Notar (ca. 1,5 Prozent) und Grundbuch (ca. 0,5 Prozent). Beim Musterbeispiel mit 250.000 € Kaufpreis in Niedersachsen sind das 17.500 €, und dieser Betrag muss aus Eigenkapital kommen.

Die Kaufnebenkosten sind die Zahl, die in vielen Angeboten fehlt, und zugleich die einzige, die Sie am Tag des Kaufs aus eigener Tasche bezahlen. Dieser Artikel listet alle Positionen auf, zeigt die Grunderwerbsteuer aller 16 Bundesländer und erklärt, welcher Teil davon abgeschrieben und welcher sofort abgesetzt wird.

Woraus die Kaufnebenkosten bestehen

Beim Kauf einer Immobilie kommen zum Kaufpreis vier Positionen hinzu, von denen eine bei Kapitalanlagen häufig entfällt.

  • Grunderwerbsteuer: Eine einmalige Steuer des Bundeslandes, in dem die Immobilie liegt. Der Satz reicht von 3,5 Prozent in Bayern bis 6,5 Prozent in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, dem Saarland und Schleswig-Holstein. Bemessungsgrundlage ist der beurkundete Kaufpreis. Erst wenn die Steuer bezahlt ist, stellt das Finanzamt die Unbedenklichkeitsbescheinigung aus, ohne die Sie nicht als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen werden.
  • Notar: Der Notar beurkundet den Kaufvertrag, bestellt die Grundschuld für die Bank und wickelt die Zahlung ab. Seine Gebühren sind im Gerichts- und Notarkostengesetz festgelegt und nicht verhandelbar. In der Regel liegen sie inklusive Grundschuld bei rund 1,5 Prozent des Kaufpreises.
  • Grundbuch: Das Grundbuchamt trägt die Auflassungsvormerkung, die Eigentumsumschreibung und die Grundschuld ein. Dafür fallen rund 0,5 Prozent an.
  • Maklercourtage: Beim Kauf einer Bestandswohnung über einen Makler zahlen Käufer in der Regel eine Courtage, üblich sind bis zu 3,57 Prozent inklusive Umsatzsteuer. Bei Kapitalanlagen vom Bauträger oder Vertrieb wird die Vermittlung meist vom Verkäufer bezahlt, die sogenannte Innenprovision. Beim Musterbeispiel und bei Bauconsult ist das der Fall, der Käufer zahlt 0 €. Details finden Sie im Provisionshinweis.

Hinzu kommen je nach Finanzierung kleinere Beträge wie Bereitstellungszinsen oder ein Wertgutachten der Bank. Sie sind in den 7 Prozent des Musterbeispiels nicht enthalten, bewegen sich aber in der Regel im dreistelligen Bereich.

Grunderwerbsteuer 2026: Alle 16 Bundesländer

Die folgende Tabelle zeigt den Steuersatz jedes Bundeslandes, die Nebenkosten gesamt ohne Courtage (Notar und Grundbuch mit 2 Prozent angesetzt) und den Betrag, der beim Musterbeispiel mit 250.000 € Kaufpreis anfällt.

BundeslandGrunderwerbsteuerNebenkosten gesamtBei 250.000 € Kaufpreis
Baden-Württemberg5,0 %7,0 %17.500 €
Bayern3,5 %5,5 %13.750 €
Berlin6,0 %8,0 %20.000 €
Brandenburg6,5 %8,5 %21.250 €
Bremen5,0 %7,0 %17.500 €
Hamburg5,5 %7,5 %18.750 €
Hessen6,0 %8,0 %20.000 €
Mecklenburg-Vorpommern6,0 %8,0 %20.000 €
Niedersachsen5,0 %7,0 %17.500 €
Nordrhein-Westfalen6,5 %8,5 %21.250 €
Rheinland-Pfalz5,0 %7,0 %17.500 €
Saarland6,5 %8,5 %21.250 €
Sachsen5,5 %7,5 %18.750 €
Sachsen-Anhalt5,0 %7,0 %17.500 €
Schleswig-Holstein6,5 %8,5 %21.250 €
Thüringen5,0 %7,0 %17.500 €

Die Sätze werden von den Landtagen festgelegt und ändern sich gelegentlich in beide Richtungen. Maßgeblich ist der Satz am Tag der Beurkundung, nicht der am Tag der Reservierung. Wer in einem Land mit Änderungsdiskussion kauft, sollte den aktuellen Stand kurz vor dem Notartermin prüfen.

Rechenbeispiel: 250.000 € in Niedersachsen, Bayern und NRW

Derselbe Kaufpreis, drei Bundesländer, keine Käufercourtage. So verteilen sich die Nebenkosten:

PositionNiedersachsenBayernNordrhein-Westfalen
Grunderwerbsteuer12.500 € (5,0 %)8.750 € (3,5 %)16.250 € (6,5 %)
Notar (ca. 1,5 %)ca. 3.750 €ca. 3.750 €ca. 3.750 €
Grundbuch (ca. 0,5 %)ca. 1.250 €ca. 1.250 €ca. 1.250 €
Käufercourtage (Innenprovision)0 €0 €0 €
Kaufnebenkosten gesamt17.500 €13.750 €21.250 €

Zwischen Bayern und Nordrhein-Westfalen liegen 7.500 €, das entspricht sechs Monatsraten des Musterbeispiels. Trotzdem wäre es ein Fehler, den Standort nach der Grunderwerbsteuer zu wählen. Eine Wohnung mit stabiler Mietnachfrage in einem 6,5-Prozent-Land ist einer Wohnung mit Leerstandsrisiko in einem 3,5-Prozent-Land in der Regel überlegen, weil der Unterschied von 7.500 € einmalig anfällt, ein Leerstand aber jedes Jahr wiederkommen kann. Ihre eigenen Zahlen für jedes Bundesland ermittelt der Kaufnebenkosten-Rechner.

Warum die Nebenkosten aus Eigenkapital kommen müssen

Banken finanzieren in der Regel den Kaufpreis, nicht die Nebenkosten. Der Grund ist einfach: Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch erhöhen den Wert der Immobilie nicht. Verkaufen Sie am Tag nach dem Kauf, ist das Geld weg, und der nächste Käufer zahlt seine eigenen Nebenkosten. Für die Bank sind das ungedeckte Kosten, die sie nur bei sehr guter Bonität und mit Zinsaufschlag mitfinanziert.

Beim Musterbeispiel bedeutet das: 250.000 € kommen von der Bank, 17.500 € von Ihnen. Dazu sollte eine Reserve von drei bis sechs Monatsraten kommen, also 3.750 € bis 7.500 €, die nicht in der Immobilie gebunden sind. Wie viel Eigenkapital insgesamt sinnvoll ist, erklärt der Artikel Wie viel Eigenkapital brauche ich wirklich?, und warum der Kaufpreis selbst voll finanziert werden darf, steht unter Vollfinanzierung bei Kapitalanlagen.

Kurz gesagt: Die Nebenkosten sind der Preis für den Einstieg. Sie werden erst über die Wertentwicklung und die Tilgung wieder eingespielt, beim Musterbeispiel im realistischen Szenario nach einigen Jahren. Wer mit dem Gedanken kauft, in drei Jahren wieder zu verkaufen, verliert diese 17.500 € mit hoher Wahrscheinlichkeit.

Steuerliche Behandlung: Abschreiben oder sofort absetzen

Für die Steuererklärung werden die Nebenkosten in zwei Gruppen geteilt, und die Unterscheidung ist bares Geld wert.

Anschaffungsnebenkosten: Grunderwerbsteuer, die Notarkosten für den Kaufvertrag, die Grundbuchkosten für die Eigentumsumschreibung und eine eventuelle Courtage gehören zu den Anschaffungskosten der Immobilie. Sie werden im gleichen Verhältnis wie der Kaufpreis auf Grund und Boden und auf das Gebäude verteilt. Der Gebäudeanteil erhöht die Bemessungsgrundlage der Abschreibung und wird über die Jahre mit abgeschrieben, der Bodenanteil nicht. Beim Musterbeispiel mit 80 Prozent Gebäudeanteil wandern also rund 80 Prozent dieser Kosten in die AfA. Das Musterbeispiel rechnet vereinfacht mit 200.000 € Bemessungsgrundlage; mit den anteiligen Nebenkosten fällt die Abschreibung in der Praxis etwas höher aus.

Finanzierungskosten: Die Notar- und Grundbuchkosten für die Bestellung der Grundschuld hängen nicht mit dem Kauf zusammen, sondern mit dem Darlehen. Sie sind Werbungskosten und werden im Jahr der Zahlung in voller Höhe in der Anlage V angesetzt. Dasselbe gilt für Bereitstellungszinsen und ein von der Bank verlangtes Gutachten. Bei einer Grundschuld über 250.000 € geht es in der Regel um einen Betrag deutlich unter 1 Prozent des Kaufpreises, der aber sofort wirkt statt über Jahrzehnte.

Praktisch heißt das: Bewahren Sie die Notarrechnung auf. Der Notar weist Kaufvertrag und Grundschuld getrennt aus, und genau diese Trennung braucht Ihr Steuerberater. Wie die Anlage V aufgebaut ist, zeigt der Artikel Anlage V verständlich erklärt.

Vier Tipps, die Nebenkosten senken

  1. Bewegliche Gegenstände separat ausweisen. Einbauküche, Markise, Sauna oder eine mitverkaufte Einrichtung sind kein Grundstück und unterliegen nicht der Grunderwerbsteuer, wenn sie im Kaufvertrag mit einem eigenen, realistischen Betrag aufgeführt sind. Das Finanzamt prüft die Bewertung, und die Bank rechnet diesen Teil in der Regel nicht in den Beleihungswert. Bei 5.000 € Einbauküche in Niedersachsen sparen Sie 250 € Grunderwerbsteuer.
  2. Innenprovision statt Käufercourtage. Bei Angeboten, in denen der Verkäufer die Vermittlung bezahlt, entfällt die größte variable Position. Beim Musterbeispiel wären das bei 3,57 Prozent zusätzliche 8.925 € gewesen. Fragen Sie vor der Reservierung schriftlich, wer die Courtage trägt.
  3. Eine Grundschuld statt mehrerer. Notar- und Grundbuchgebühren sind gesetzlich festgelegt. Sparen lässt sich hier nur durch eine schlanke Abwicklung, etwa eine einzige Grundschuld für die gesamte Finanzierung statt getrennter Eintragungen für mehrere Darlehen.
  4. Nebenkosten in die Rendite einrechnen. Wer den Faktor nur mit dem Kaufpreis berechnet, überschätzt die Rendite um die Nebenkosten. Beim Musterbeispiel sind 267.500 € die richtige Basis, nicht 250.000 €. Wie sich das auswirkt, zeigt Mietrendite, Eigenkapitalrendite, Faktor.
Zum Weiterrechnen: Im Steuer-zu-Vermögen-Rechner gehen die Nebenkosten Ihres Bundeslandes direkt in die Eigenkapital- und Vermögensrechnung ein. Die vollständige 30-Jahres-Tabelle mit den 17.500 € des Musterbeispiels finden Sie im Musterbeispiel.

Häufige Fragen

Kann ich die Kaufnebenkosten mitfinanzieren?
In Einzelfällen ja, in der Regel aber nur bei sehr guter Bonität und zu einem höheren Zins, weil die Bank über den Wert der Immobilie hinaus finanziert. Für die meisten Käufer ist es sinnvoller, die Nebenkosten aus Eigenkapital zu bezahlen und den Kaufpreis voll zu finanzieren, weil die Zinsen auf den Kaufpreis absetzbar sind.
Sind Kaufnebenkosten steuerlich absetzbar?
Ja, aber auf zwei Wegen. Grunderwerbsteuer, Notar für den Kaufvertrag, Grundbuch für die Eigentumsumschreibung und Courtage werden Teil der Anschaffungskosten und über die Abschreibung angesetzt. Die Kosten für die Grundschuld sind Finanzierungskosten und im Jahr der Zahlung vollständig absetzbar.
Muss ich auf die Einbauküche Grunderwerbsteuer zahlen?
Nicht, wenn sie im Kaufvertrag als bewegliche Sache mit einem eigenen, marktüblichen Betrag ausgewiesen ist. Bei überhöhten Beträgen kann das Finanzamt nachfragen. Fest verbaute Teile wie Heizung oder Fenster gehören dagegen zum Gebäude und sind steuerpflichtig.
Wie hoch sind die Nebenkosten beim Neubau vom Bauträger?
Beim Bauträgerkauf gilt derselbe Aufbau: Grunderwerbsteuer auf den gesamten Kaufpreis inklusive Bauleistung, Notar und Grundbuch. Die Courtage entfällt in der Regel, weil der Bauträger den Vertrieb bezahlt. Beim Musterbeispiel in Niedersachsen ergibt das 7 Prozent oder 17.500 €.

Autor: Dipl.-Math. Bernhard Klenke, Geschäftsführer Bauconsult, Immobilienmakler (§ 34c GewO) und Finanzierungsvermittler (§ 34i GewO). Mehr über den Autor.

Kostenfreies Erstgespräch

Lassen Sie uns Ihre Zahlen durchrechnen.

30 Minuten, per Video oder Telefon, bundesweit. Sie erhalten Ihre persönliche Rechnung in drei Szenarien. Ob Sie danach weitermachen, entscheiden Sie.

Das bringen Sie mit

  • Ihren letzten Steuerbescheid oder Ihr Bruttojahreseinkommen
  • Ihr verfügbares Eigenkapital, grob geschätzt
  • Ihre Fragen. Auch die kritischen.

Keine Verkaufsveranstaltung, keine Verpflichtung. Provisionshinweis: Bauconsult wird bei Vermittlung vom Verkäufer vergütet.

Fragen? Per WhatsApp schreiben